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Flug verpasst? Wer Bahn fährt, muss Verspätungen einplanen

Immer öfter bieten Reiseveranstalter Pauschalreisen mit sogenannten „Rail and Fly“ - Tickets an. Im Reisepreis ist dann ein Ticket für einen Zug zum Flug enthalten. Dies kann viele Vorteile haben. Es fallen bspw. keine Parkhausgebühren für das Unterstellen eines Autos an oder es muss kein Fahrer für den Transfer zum Flughafen hin und zurück organisiert werden.

Doch was ist, wenn die Bahn zu spät ist? Wer haftet dann? Mit dieser Frage musste sich das Landgericht München I als Berufungsgericht beschäftigen.

Im Juli 2018 wollten ein Vater und sein Sohn ihren Flug von Düsseldorf nach Dubai antreten. Über ein Reisebüro wurde eine Pauschalreise mit einem Rail and Fly Ticket gebucht. Um 18:58 Uhr sollte der Zug nach Angaben der Kläger am Flughafen ankommen. Er habe allerdings fast zwei Stunden Verspätung gehabt und sei erst um 20:40 Uhr eingetroffen; zu diesem Zeitpunkt hatten die Schalter für den Abflug schon geschlossen. Vater und Sohn verpassten ihren Flug, mussten eine Nacht im Hotel am Flughafen verbringen und buchten über das Reisebüro einen neuen Flug für insgesamt 1.682,88 Euro. Die Kosten sollte aus Sicht der Kläger der Reiseveranstalter tragen.

Mit Beschluss vom 29.10.2019 (Az.: 30 S 8057/19) wiesen die Richter die durch Vater und Sohn eingelegte Berufung zurück. Die Begründung: Die Berufungskläger hätten eine zu knappe Zugverbindung gewählt. „Bei den hier eingeplanten siebzehn Minuten bis zum Beginn der zweistündigen Frist vor Abflug“ sei ein „zu knappes Zeitfenster gewählt worden, das mögliche Zugverspätungen angesichts der Entfernung vom Flughafen und einem nötigen Umstieg nicht angemessen berücksichtigt“ habe.

Zuvor urteilte schon das AG Münster am 28.05.2019 (Az.: 114 C 23274/18), dass kein Anspruch bestünde, da die Kläger unmittelbar nach dem Verpassen des Fluges ihr Reisebüro kontaktiert und über dieses einen Ersatzflug gebucht hatten. Die Kläger hätten sich allerdings zuvor an den Reiseveranstalter selbst wenden und diesem den Mangel anzeigen sowie eine angemessene Frist zur Abhilfe einräumen müssen. Der Reiseveranstalter hätte möglicherweise einen Ersatzflug stellen können und habe dies auch nicht verweigert. „Somit konnten die Kläger auch nicht im Rahmen der Ersatzvornahme auf Kosten der Beklagten […] über ihr Reisebüro einen Ersatzflug buchen“, hieß es in der Gerichtsmitteilung.

Das LG München I stellt mit dem Beschluss klar, dass die Anreise, trotz Zug zum Flug Ticket des Reiseveranstalters, zum Teil in der Risikosphäre des Reisenden liegt. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass er hinreichend Zeit für die Anreise einplant. Dies gilt insbesondere für Verspätungen der Bahn.

Ricardo Arentz
Rechtsanwalt