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Hitze in der Wohnung – Darf ich die Miete mindern?

Gerade haben wir die zweite Hitzewelle in diesem Sommer mit Temperaturen bis zu 40 Grad hinter uns gebracht.

Viele Wohnungen, insbesondere Dachgeschosswohnungen, waren tagelang unerträglich heiß.

Ist das nicht ein Grund, dass Sie berechtigt sind, dem Vermieter weniger Miete zu überweisen? Der Sommer ist schließlich noch lang und die nächsten Temperaturrekorde können kommen!

Allgemein stellen hohe Temperaturen in der Mietwohnung allerdings keinen Mangel dar. Es gibt auch kein Gesetz, ab welcher Temperatur die Miete gemindert werden darf.

Es kommt – wie so oft – auf den jeweiligen Einzelfall an. Die Gerichte hierzulande entscheiden bei dem Thema sehr unterschiedlich.
Ab welcher Temperatur man überhaupt davon sprechen kann, dass es in der Wohnung zu heiß ist, dafür können die Arbeitsschutzregeln einen möglichen Anhaltspunkt geben. Danach könnte eine Temperatur von 26 Grad in der Wohnung die Obergrenze darstellen. Diese Auffassung ist aber umstritten.

Gute Chancen, die Miete mit Erfolg zu mindern, haben Sie jedenfalls dann, wenn Sie in einer Neubauwohnung leben, die sich extrem aufheizt. In einem Fall, der vor dem Amtsgericht Hamburg (AZ: 46 C 108/04) entschieden wurde, konnte der Mieter nachweisen, dass die Wärmeschutzmaßnahmen nicht den baurechtlichen Bestimmungen zum Zeitpunkt der Errichtung des Objektes entsprachen. Der Mieter durfte die Miete kürzen und gleichzeitig wurde durch das Gericht die Vermieterin auf Antrag des Mieters zusätzlich noch verpflichtet, einen angemessenen Wärmeschutz nachzurüsten.

Allerdings dürfen Sie die Miete nur anteilig für die Tage kürzen, an denen es sehr heiß war. Dazu ist es erforderlich, die hohen Temperaturen durch Aufzeichnung zu belegen. Auf jeden Fall müssen Sie den Vermieter schnellstmöglich über den unerträglichen Zustand in Kenntnis setzen und von ihm Abhilfe verlangen.

Wenig Chancen auf eine erfolgreiche Mietkürzung haben Sie dann, wenn Sie in einer Dachgeschoßwohnung wohnen. Das Amtsgericht Leipzig (AZ:164 C 6049/04) hat dazu einmal entschieden, dass man mit hohen Temperaturen rechnen müsse, wenn man eine Wohnung im Dachgeschoss anmiete.
Wenn eine Gesundheitsgefahr durch die brütende Hitze droht, darf ein Mieter sogar kündigen.

Es besteht aber bei einer Mietminderung immer die Gefahr, dass der Vermieter diese nicht akzeptiert. Dieser kann ab einer bestimmten rückständigen Miete sogar die Kündigung aussprechen. Die Miete sollte daher besser bis zur Klärung der Sachlage nur unter Vorbehalt gezahlt werden. Im Zweifel ist es sinnvoll, sich z.B. durch einen Rechtsanwalt beraten zu lassen.

Alexander Kerstiens, LL.M.
Rechtsanwalt