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Wer zahlt meinen Schaden bei einem Wildunfall?

Der Jagdpächter. Weit gefehlt! Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht ist dieser nicht verpflichtet, einen Schaden am Fahrzeug zu ersetzen. Wild gehört niemandem, es ist herrenlos.

Eine Ausnahme kann dann in Betracht kommen, wenn Wild im Zuge einer Treib- oder Drückjagd verunfallt. Dieses darf nicht in Richtung einer befahrenen Straße getrieben werden.

Die Haftpflichtversicherung kommt für Schäden am eigenen Fahrzeug ebenfalls nicht auf.

Damit überhaupt eine Kostenübernahme erfolgt, ist es notwendig, dass Sie wenigstens über eine Teilkaskoversicherung verfügen. Es kommt aber auf die jeweiligen Versicherungsbedingungen an. In vielen Verträgen ist nur der Zusammenstoß mit in Bewegung befindlichem Haarwild i.S.d. § 2 I Nr. 1 BJG, wie Reh-, Rotwild oder Wildschweine abgesichert. Unfälle mit Federwild wie Fasanen jedoch nicht.

Kollisionen mit Haustieren oder gar dem viel diskutierten Wolf sind ohne Zusatzvereinbarung nicht abgedeckt.

Im Übrigen ist der Versicherte verpflichtet zu beweisen, dass er tatsächlich gegen ein lebendes Stück Wild gefahren ist. War das Tier bereits verendet oder ist der Schaden am Fahrzeug durch Ausweichen entstanden, so geht man oft leer aus. Eine Ausnahme kann ein reiner Glasschaden darstellen.

Ein Ausweichmanöver zum Schutz des Fahrzeugs ist nur dann von den Versicherungskonditionen umfasst, wenn der drohende Schaden größer ist als das eingegangene Risiko. Das gilt höchstens bei der Vermeidung von Unfällen mit großen Tieren wie einem Hirsch, nicht bei einem Hasen. In der Regel ist es gefährlicher gegen einen Baum zu fahren als mit einem Wildtier zu kollidieren.

Vollkaskoversicherungen zahlen in der Regel den entstandenen Schaden am eigenen Fahrzeug.

Nach einem Unfall sichern Sie zunächst die Unfallstelle ab und rufen in jedem Fall die Polizei. In NRW besteht dazu sogar in Pflicht. Diese verständigt den zuständigen Jäger. Fassen Sie noch lebendes Wild nicht an. Es ist Menschen nicht gewohnt und könnte in Panik geraten, was zusätzlichen Stress für das verletzte Tier bedeutet.

Es ist Ihre Aufgabe, Beweise über einen tatsächlichen Wildunfall zu sichern. Machen Sie Fotos! Sollte die Versicherung einen Wildschaden dennoch nicht zahlen, so kann anwaltliche Hilfe erforderlich sein.

Alexander Kerstiens, LL.M.
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Verkehrsrecht